Diesem Kraftstoff reicht kaum einer das Wasser
Besucher der Route der Industriekultur informieren sich zum Thema Wasserstoff

Ein leises Schnurren, kaum hörbar, ist alles, was das grün-weiße Auto von sich gibt. Ein wenig Wasser vielleicht, mehr kommt auch nicht aus dem Auspuff. Das vorgehaltene Taschentuch bleibt blütenweiß. Dabei beschleunigt der Mercedes B-Klasse rasant auf bis zu 170 Km/h ohne auch nur ein Gramm Kohlendioxid pro Kilometer auszustoßen. Der Kraftstoff, der das mit Hilfe einer Brennstoffzelle möglich macht, heißt Wasserstoff. Er fällt im Industriepark Höchst in großer Menge als Nebenprodukt der Chlorerzeugung an und ist darum schon seit vielen Jahren Quelle für den Einsatz emissionsfreier Mobilität des Standortbetreibers Infraserv Höchst, von Brennstoffzellenherstellern und Autobauern. Gefördert wurden die Arbeiten am Projekt „Zero Regio“, null Emissionen, von der Europäischen Union. Im Rahmen einer Industriepark-Rundfahrt anlässlich der Tage der Route der Industriekultur bekamen insgesamt 50 Besucher auch einen Einblick in die Wasserstoffversorgung am Standort.

Dr. Heinrich Lienkamp, Experte für Verfahrenstechnik und Energien bei Infraserv Höchst, erläuterte den Besuchern dabei die Besonderheiten: „Wasserstofferzeugung ist zurzeit noch recht energieaufwändig. Aber hier, wo er als Nebenprodukt ohnehin erzeugt wird, ist er eine erstklassige Energiequelle, die nicht unerforscht und auch nicht ungenutzt bleiben darf“. Der Wasserstoff wird dabei vom Wasserstoffgasometer des Industriepark zum einen per LKW an Kunden innerhalb und außerhalb des Standortes geliefert. Zum anderen führt eine 1,9 Kilometer lange, speziell entwickelte Hochdruckpipeline zur Tankstelle am Tor Süd des Industrieparks. Hier gibt es neben Benzin, Diesel und Erdgas auch Wasserstoff an den Tanksäulen. „Es ist die einzige öffentliche Wasserstofftankstelle in Hessen“, erläuterte Dr. Lienkamp. „ Nicht nur das Wasserstoffauto von Infraserv Höchst wird hier betankt, auch andere Wasserstofffahrzeuge tanken hier wieder neue Energie.“

Insgesamt vier Rundfahrten bietet der Standortbetreiber Infraserv Höchst zwischen dem 2. und dem 7. August an. Das diesjährige Oberthema der Tage der Route der Industriekultur Rhein-Main lautet „Chemie“. Entsprechend groß war der Andrang auf die Führungen durch den Industriepark Höchst, der einer der größten Standorte der chemischen, pharmazeutischen und biotechnologischen Forschung und Produktion in Deutschland ist. Alle Führungen waren in kurzer Zeit ausgebucht. Besucher, die sich rechtzeitig angemeldet hatten, erleben neben der rund einstündigen Rundfahrt durch den Standort auch eine Führung durch die Chlor-Alkali-Elektrolyse von AkzoNobel, einen Pigment-Betrieb der Clariant oder die Abwasserreinigungsanlage des Industrieparks Höchst. Auch der berühmte Peter-Behrens-Bau ist wieder das Ziel von insgesamt drei Führungen. Alles in allem hat der Standort im Rahmen der Tage der Route der Industriekultur 2011 rund 350 Besucher zu Gast.

(red.)
 
BvS


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