80 Jahre Stadtteil Schwanheim
Nun ist es 80 Jahre her, daß der Adler sich über unseren Schwan hergemacht hat.Vom Bauerndorf zum Stadtteil Frankfurts: Gedanken zur Eingemeindung Schwanheims


Gemeinderat Schwanheim
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Über Jahrhunderte hinweg war Schwanheim ein Bauerndorf. Die Bewohner lebten vom schmalen Ertrag ihrer Felder, Brot wurde im gemeindeeigenen Ofen gebacken, geschlachtet wurde auf dem Hof und das Wasser kam aus dem Dorfbrunnen. Um einen kleinen Verdienst zu erlangen, verkauften die Bauersfrauen auf dem Markt in Frankfurt „Weiße Rüben“ - sie gediehen im Schwanheimer Sandboden besonders gut -, Feldfrüchte und Eier. Wer keine Arbeit auf dem Hof hatte, verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Handwerker oder Tagelöhner in Frankfurt. Der Weg dorthin wurde zu Fuß zurückgelegt, mit etwas Glück wurde man von einem Fuhrwerk oder dem Marktschiff mitgenommen. Um auf die andere Mainseite zu gelangen wurde die Nachenfähre benutzt, denn die nächstgelegene Brücke war in Frankfurt.

Durch die Ansiedlung von Industriebetrieben auf der gegenüberliegenden Mainseite begann die Strukturveränderung des Dorfes. 1856 wurde die Chemische Fabrik in Griesheim gebaut, sieben Jahres später in Höchst die Farbenfabrik „Meister, Lucius und Brüning“. Immer mehr Arbeiter ließen sich mit ihren Familien in Schwanheim nieder und auch viele junge Männer aus Bauernfamilien suchten Arbeit in den Fabriken. 1892 entstand als erster industrieller Betrieb in Schwanheim die Maßbandfabrik Otto Krebs. Von 1866 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung im einst rein katholischen Bauerndorf von 1.700 auf mehr als 2.700 Menschen, darunter 225 Protestanten, angewachsen.

Handwerksbetriebe, Bäckereien, Metzgereien und kleine Ladengeschäfte bereicherten das Ortsbild. Elektrisches Licht, der Anschluss an das Gasnetz, die erste Zeitung und die Errichtung einer öffentlichen Fernsprechzelle sind nur einige Beispiele für den weiteren Fortschritt und das Wachstum der Gemeinde. Der Bau der Waldbahn 1889 sorgte für die direkte Anbindung des Dorfes in Richtung Frankfurt, denn der Bahnhof der Ludwigsbahn, die bereits um 1860 gebaut wurde, lag über einen Kilometer im Wald. 1907 konnte die erste Brücke – von den Bürgern der Gemeinde aus eigenen Mitteln gebaut – eingeweiht werden.

Zwischen 1909 und 1914 begannen erste Verhandlungen mit der Stadt Frankfurt über die Eingemeindung Schwanheims. Durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, wurden sie 1925 fortgesetzt. Auch die anfänglichen Gegner konnten sich den überzeugenden Worten des Bürgermeisters Esser bei einer öffentlichen Versammlung im Juli 1926 nicht länger widersetzen. Am 15. Juli unterzeichnete der Schwanheimer Gemeindevorstand und die Frankfurter Magistratsvertreter im Frankfurt Römer den Eingemeindungsvertrag. Zwei Jahre später – am 1. April 1928 – trat er Kraft.

(Abbildung: Der letzte Gemeinderat Schwanheims im Jahr 1928. Stehend v. l. n. r: Kohaut (Zentrum), Helfenbein (Zentrum), Löw (Demokraten), Ruckdeschel (Sozialdemokraten), Keller (Sozialdemokraten). Sitzend v. l. n. r.: Bürgermeister Esser, Henrich (Beigeordneter)

(HGS)
 
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