Gesundheitsrisiko Schwanheim?
Müllverbrennung vor den Türen Schwanheims. Ein düsteres Kapitel schlägt seine Seiten auf

Schattenburg Müllverbrennungsanlage
Müllverbrennungsanlage
Das Leben in einer Großstadt ist immer geprägt von Zugeständnissen. Auf der einen Seite sind es die Annehmlichkeiten die es reizvoll machen in ihr zu leben, auf der anderen Seite gibt es Unannehmlichkeiten die akzeptiert werden müssen.

Was sich aber im Westen Frankfurts an Unannehmlichkeiten anbahnt ist es Wert, die Bürger zu Informieren. Deshalb hatte der „Bund Freunde der Erde“, „Flughafen-BI“ Schwanheim und „Eine Welt Umwelt-Ausschuss“ der Kath. Kirchengemeinde zu einem Informationsabend am Dienstag, dem 23. Juni in das Katholische Pfarrheim geladen.

Der Abend wurde geleitet von Herrn Heuser mit Unterstützung seiner Gäste, Dr. Hermann Kruse, Toxikologe an der Uniklinik Kiel und Thomas Rahner, Rechtsanwalt aus Gernsheim. Vor gut 100 gespannten Besuchern eröffnete Herr Heuser die Veranstaltung. Mit einer Einführung, Vorstellung der Gäste und sehr genauen Ausführungen, wurde dieser Abend zu einer gelungenen und Erfahrungsreichen Veranstaltung. Wir von schwanheim.com wollen sie informieren über diesen Abend, über Fakten und Aussichten. Wir werden in unserer Berichtserstattung auf Zahlenspiele und Grenzwerte verzichten, denn wie wir erfahren konnten, werden diese elegant umgangen.

Zu den Fakten: Wie kann es sein, dass knapp 2000m entfernt von den ersten Häusern Schwanheims auf dem Gelände der Infraserv eine Müllverbrennungsanlage mit diesen Ausmaßen entsteht. War es nicht so vereinbart, dass das Gelände der Gemarkung Schwanheim nur zu Bürobauten, Labor und Forschungszwecken genutzt werden kann?

Man wird eines besseren belehrt. Mit dieser Müllverbrennungsanlage soll Energie für den Industriepark erzeugt werden. Der Brennstoff ist aber Müll mit all seinen Giften und nicht wie verharmlosend als Ersatzbrennstoff, kurz EBS genannt, dargestellt. Stromerzeugung auf Kosten der Gesundheit? Nein danke!

Bereits im Herbst wird im Rhein-Main-Gebiet eine Anlagenkapazität von 1,3 Mil. Tonnen existieren. Dazu wird die EBS Anlage mit 700000 Tonnen eine gewaltige Überkapazität schaffen. Mülltourismus ist nicht auszuschließen, um diese Anlagen zu beschicken. Vielleicht wird der Müll aus Neapel angeliefert! Eine Düstere Aussicht.

Die Folge ist unschwer zu erahnen. Die Grenzwerte der Feinstaubbelastung werden, bei 57 Tonnen mehr an Feinstaub, häufiger wie jetzt überschritten. Über die Gefahren für die Gesundheit durch die EBS Anlage informierte dann Dr. Hermann Kruse, von der Uni-Klinik-Kiel. Er ist ein anerkannter Spezialist für Fragen zu Umweltgiften.

Natürlich wird durch Umweltverbände und Toxikologen versucht, die Umweltbelastung durch Grenzwerte so gering wie möglich zu halten. Infraserv aber beruft sich auf Einhaltung von 15 Jahre alte Grenzwerte, obwohl sich der Stand der Technik weiter entwickelt hat. Ein Einbau von hochwertigeren Filtern würde schon die Belastung um die Hälfte mindern. Die Durchführung wird aber, wie so oft, an den Kosten scheitern. Es drängt sich berechtigt die Frage auf, ob hier schlicht die Gesundheit der Bevölkerung dem Profitstreben geopfert werden soll?

Nicht berücksichtigt bei der Umweltverträglichkeitsuntersuchung ist das vermehrte Verkehrsaufkommen. Ein Unding, dieses außer acht zu lassen. Rechtanwalt Thomas Rahner berichtete dann noch, dass die Umweltverträglichkeitsuntersuchung zahlreiche Mängel aufweist. So wurde zum z.B. für eine 30-mal kleinere Anlage in Gießen eine Untersuchung von 200 Seiten vorgelegt und Infraserv legte gerade mal 60 Seiten für die EBS–Anlage vor.

Wegen der ohnehin hohen Schadstoffbelastung im Gebiet um den Industriepark und der Verletzung von Vorschriften zum Schutz der Gesundheit klagt der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Im Juli 2009 sollte über die Klagen gegen den Bau der EBS Anlage entschieden werden. Leider wurde dieser Termin in den September verschoben. Wie uns Rechtsanwalt Thomas Rahner mitteilte, ist die EBS Anlage noch nicht genehmigt. Der Bau ist auf Kosten und mit Risiko des Betreibers erstellt worden.

Die Erwartungen auf eine Nichtgenehmigung sollten nicht so hoch geschraubt werden. Man hat in vergleichbaren Fällen gesehen, dass die Rechtssprechung zu anderen Auffassungen gekommen ist. Die Zukunft wird es zeigen, ob ein Naherholungsgebiet, Schwanheimer Düne,Streuobstwiesen, zwischen Gewerbegebiet im Osten, EBS-Anlage im Westen und Flughafen ganz in der Nähe, überlebensfähig ist.

Im Anhang interessante Fakten zur geplanten EBS-Anlage:

Dass von den 700000 t Müll die verbrannt werden sollen ein drittel wieder auf Deponien gefahren werden muss!

Dass 3.368.400 t Flusswasser im Jahr aus dem Main entnommen werden muss, und mit 28-30 Grad wieder zurück geführt wird!

Dass jeden Tag zusätzlich 39,1 t Heizöl mittels LKW angefahren werden müssen!

Dass für Anlauf und Stützfeuer 32 t Erdgas benötigt wird!

Dass trotz Sortierung des Mülls 19.000 t Eisenschrott nach der Verbrennung übrig bleibt!

Dass im Jahr 171 kg Hochgiftiges Quecksilber aus den Kaminen der EBS Anlage strömen wird!

Dass bei rechnerisch 305 Tagen im Jahr die gigantische Menge von 776,64 t pro Tag an Restmüll von der Anlage abzufahren ist!

Dass für die Anfuhr des Verbrennungsmülls sowie der benötigten Hilfstoffe sowie der Abfuhr des Restmülls jeden Tag 480 LKW den Straßenverkehr belasten werden!

Dass entspricht alle 60 sec. ein LKW, zwischen 6:00 Uhr morgens und 22:00 Uhr abends!

(o.k.)
 
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