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Schwanheimer Kunsthandwerk |
Wo Kunst und Handwerk sich vermählen. Eingansportal zur Trauerhalle kommt aus dem Glaskunstatelier Schillings
 Maßarbeit: Helge Müller (links) und Glasermeister Marco Uecker passen das Schillings-Portal in die Trauerhalle auf dem Alten Friedhof ein. „Was lange währt...“ – und wahrlich lange genug hat es gedauert, bis die Trauerhalle auf dem alten Schwanheimer Friedhof wieder in einen Zustand versetzt wurde, der einer Trauerfeier den erstrebenswerten Rahmen bietet. Dieser Tage nun erhielt die Halle ein würdiges Entree in Form eines zweiflügligen Portals, das ganz in der Tradition sakraler Gebäude, sich in kunstvoller Glasarbeit präsentiert.
Es gibt bedauerlicherweise nicht mehr allzu viele Betriebe, die solch hochwertige Handarbeit zu fertigen verstehen. Als umso erfreulicher erweist sich der Umstand, dass einer davon seine Werkstatt hier, im heimischen Schwanheim unterhält – und das seit nunmehr 36 Jahren. Es war 1972 als Hans-Hugo Schillings seinen Glasmalereibetrieb hier gründete. 1976 übernahm seine Ehefrau, die Glasmalermeisterin Hildegard Schillings-Holler den Betrieb. Beide verband von Anbeginn an die Liebe zur Glasmalerei, gepaart mit der Fähigkeit, diese Leidenschaft auch kreativ und überzeugend umzusetzen. So verwundert es wenig und erfreut umso mehr, dass Tochter Elisabeth nicht nur das Talent beider Eltern sondern auch noch deren handwerkliche Fertigkeit geerbt hat und nun weiter kultiviert. Sie leitet das Geschäft seit 2006.
 Kunst-Handwerkerin: Elisabeth Schillings liebt Licht, Glas und Farbe
Kunst und Kreativität vermählen sich hier mit gestandenem Handwerk – Elisabeth Schillings entwirft nicht nur die Glasbilder, sie fertigt sie auch selbst aus Flachglasplatten, die sie zunächst entweder per filigranster Glasmalerei veredelt oder kunstvoll ätzt, wie etwa die Ränder der blauen Rechtecke in der Glastür der Trauerhalle.
Gut 50 Rechtecke unterschiedlicher Größe und Farbgestaltung füllen die Türrahmen, kunstvoll verbunden und zur Fläche vereint durch filigrane Bleiprofile – eine Technik aus dem Hochmittelalter, die bis zum heutigen Tage von Glaskünstlern gepflegt wird. Im Grunde war es die Not, die jenes Verfahren zur Tugend erhob: Gelang es doch im Mittelalter den Glaskünstlern trotz heißesten Bemühens nicht, größere Glasflächen zu gießen – sie rissen beim Abkühlen regelmäßig. So sahen sie sich gezwungen, Ihre Bilder, die in erster Linie die Kathedralen ihrer Zeit zieren sollten, aus mehr oder weniger großen, eingefärbten Glasstücken zusammenzusetzen und mittels besagter Bleiprofile zusammenzuhalten – Kunst-Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes.
Hilfe erfährt Elisabeth Schillings von ihrem Vater Hans-Hugo und Mitarbeiter Helge Müller, der seit nunmehr 11 Jahren bei den Schillings in Diensten steht. Sie fügen in der Regel die Einzelteile mit Hilfe besagter Bleiruten zusammen.
Hinsichtlich ihres Portals, an dem die Schillings übrigens gut drei Wochen lang gearbeitet haben, reiht sich die Schwanheimer Trauerhalle nun ein in eine Vielzahl höchst beeindruckender sakraler, als auch weltlicher Gebäude, die unter anderem auf Ibiza und in Italien zu finden sind. Dass es nicht allein Darstellungen verklärter Heiliger sind, die in der Regel als Motive für Kirchenfenster dienen, sondern auch handfest-irdisches, das die Schillings teils restaurieren, teils selbst entwerfen und fertigen, mag unter anderem die Glaskunst im Eingangsbereich des „Gemalten Hauses“, wie auch die Scheiben zur Thekendurchreiche dieses Sachsenhäuser Traditionslokals beweisen.
Schade eigentlich, dass es eine Trauerhalle ist, deren Besuch ein eher Seltener sein sollte – das Schillings-Portal nämlich wäre es Wert, öfters dort zu erscheinen – und sei es nur, um zu Schauen.
(al)
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