Lebensfreude und Totenstille
Oder: wie die neuen Ruhebürger der Allgemeinheit zur Last fallen

Frankfurt, das pulsierende Zentrum urbaner Moderne. Dennoch sollte es nicht zu lebendig pulsieren, denn leicht fühlt so manch einer sich gestört und geht seinem just entdeckten neuen Hobby nach: er klagt bei Gericht.

Klagegründe gibt es jede Menge: Ein Volksfest, Verkehrslärm, Kirchenglocken, Baustellenlärm und jüngst sogar ein Feuerwerk, all das störte bereits die Ruhe Frankfurter Entspannungsbürger.

"In Schwanheim ist so etwas undenkbar", mochte man schmunzelnd gedacht haben, dann aber wurde, veranlasst durch ein erst zugezogenes, geräuschempfindliches älteres Paar, im Traditionslokal "Seppche" die von breitem Publikum längst liebgewonnene Live-Musik untersagt. Da half es auch nichts festzustellen, dass gerade das "Seppche" eine Institution in Schwanheim ist und bereits Generationen mit Musik erfreut habe oder das die Musik ja bereits um 22:00 Uhr zu Ende sei. Das Musik-Verbot kam.

Nun treibt die Geräuschempfindlichkeit eines Einzelnen neue Stilblüten, denn es ist ihm gelungen ausgerechnet in Schwanheim einen erst vor 2 Jahren durch Steuergelder errichteten Bolzplatz wegzuklagen. Tatsächlich hat er recht bekommen und Tore und Ballfangzäune sollen nun auf dem Bolzplatz in der Deidesheimer Straße abgebaut werden. Den Gerichten sind die Hände gebunden, denn die Gesetze die zum Schutz der Bürger ersonnen wurden, werden oftmals auch für die Interessen Einzelner missbraucht.

Kinderfeindlich, intolerant und von grenzenlosem Egoismus getragen, sollen dies tatsächlich die Attribute einer neuen Gesellschaft sein? Oder sind es immer wieder nur einzelne, die auf kostspielige Art die Gesellschaft necken? Tatsache bleibt, es gibt deutlich Nachbesserungsbedarf an unseren Lärmschutzgesetzen. Tatsache bleibt auch, das die Eltern in der Deidesheimer Straße und der Elternbeirat der anliegenden Kita "Lichtblick" vor einem Problem stehen, das es zu lösen gilt. Ein Problem das jeden von uns angeht.

Aus diesem Grunde findet am
Donnerstag, den 18.08.2011 um 15.30 Uhr Ballspielwiese, Deidesheimer Straße
eine Elternaktion statt, die über den Mißstand informieren will. Unterstützung wird hier jetzt dringend benötigt.

Leben an sich ist nun einmal mit Geräusch verbunden, in der Stadt ohnedies. Das ist es, was das Leben in der Stadt ausmacht. Wem dies nicht zusagt, dem steht zudem die Möglichkeit offen gerne auch in die Einsamkeit zu ziehen, auf eine Almhütte in den Bergen oder anderswo, für den Fall das an erstgenanntem Ort die Grillen zu laut zirpen.

(bnh)
 
BvS


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